Was ist oberflächennahe Geothermie?
Schon wenige Meter unter der Oberfläche herrscht das ganze Jahr eine nahezu konstante Temperatur von rund 10 °C. Diese Erdwärme lässt sich mit einer Sole/Wasser-Wärmepumpe zum Heizen (und im Sommer zum Kühlen) nutzen. Als „oberflächennah" gilt die Nutzung bis etwa 400 m Tiefe – für Einfamilienhäuser genügen meist deutlich geringere Tiefen.
Der große Vorteil gegenüber der Luft-Wärmepumpe: Die Erdtemperatur ist konstant, auch im Winter. Dadurch arbeitet eine Erdwärme-Wärmepumpe besonders effizient (hohe Jahresarbeitszahl) und leise.
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Erdwärmesonde oder Flächenkollektor?
Für Wohngebäude kommen zwei Systeme in Frage – die Wahl hängt stark vom Grundstück ab:
- Erdwärmesonde (vertikal): Eine oder mehrere Bohrungen von 50–150 m Tiefe. Braucht nur wenig Fläche, ist aber genehmigungspflichtig und teurer. Ideal für kleine Grundstücke.
- Flächenkollektor (horizontal): Rohrschlangen in 1–1,5 m Tiefe, verlegt auf etwa dem 1,5- bis 2-fachen der beheizten Wohnfläche. Keine Bohrung nötig, günstiger – aber nur bei großem, unbebautem Garten möglich.
- Erdwärmekorb / Grabenkollektor: Kompaktere Bauformen für mittelgroße Grundstücke, wenn weder tiefe Bohrung noch große Kollektorfläche passen.
Ist mein Grundstück für Erdwärme geeignet?
Entscheidend ist die spezifische Entzugsleistung des Untergrunds, angegeben in Watt pro Meter Bohrung (W/m). Sie hängt von Bodenart, Gestein und Grundwasser ab und liegt typischerweise zwischen 20 und 70 W/m. Je höher der Wert, desto weniger Bohrmeter brauchst du für die gleiche Heizleistung – das senkt die Kosten direkt.
Die wichtigsten Faktoren für die Eignung:
- Untergrund: Festgestein und wasserführende Schichten leiten Wärme besser als trockener Sand. Bodenart und Standortdaten geben erste Hinweise.
- Wasserschutzgebiet: In Schutzzonen sind Bohrungen häufig eingeschränkt oder verboten.
- Platz: Für einen Flächenkollektor braucht es genügend unbebaute Gartenfläche.
- Erreichbarkeit: Das Bohrgerät muss aufs Grundstück gelangen können.
Die Landesämter für Geologie veröffentlichen dazu Geothermie-Eignungskarten (z. B. Geothermieatlas Sachsen, IS GT 50 in NRW, Umweltatlas Berlin); bundesweit gibt das Informationssystem GeotIS einen Überblick. flurcheck.de wird die Geothermie-Eignung künftig direkt je Grundstück anzeigen.
Genehmigung & rechtliche Vorgaben
Eine Erdwärmesonden-Bohrung ist nicht genehmigungsfrei. Vor Baubeginn ist sie nach dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) bei der unteren Wasserbehörde anzuzeigen bzw. zu beantragen. Zu beachten:
- Wasserschutzgebiete: Bohrungen oft unzulässig oder nur mit Auflagen.
- Anzeige: Jede Bohrung ist dem geologischen Dienst des Landes anzuzeigen (Geologiedatengesetz); ab ~100 m Tiefe zusätzlich der Bergbehörde (§ 127 Bundesberggesetz).
- Fachbetrieb: Bohrungen dürfen nur zertifizierte Unternehmen ausführen (z. B. nach DVGW W 120).
Ein eindeutiges Flurstückskennzeichen (Gemarkung, Flur, Flurstücksnummer) brauchst du für die meisten dieser Anträge.
Was kostet eine Erdwärme-Wärmepumpe?
Eine Sole/Wasser-Wärmepumpe inklusive Erdwärmesonden-Bohrung kostet je nach Bohrtiefe und Gebäude meist rund 25.000 bis 40.000 Euro. Ein Flächenkollektor ist günstiger, da keine Bohrung anfällt – setzt aber ausreichend Gartenfläche voraus.
Gefördert wird der Heizungstausch über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG): Grundförderung plus Boni (u. a. Effizienz-Bonus für Erdwärme) ergeben in der Spitze bis zu 70 % Zuschuss. Damit relativieren sich die höheren Anfangskosten gegenüber der Luft-Wärmepumpe oft über die Lebensdauer.