Was sind Altlasten?
Altlasten sind nach dem Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) Flächen, von denen Gefahren für Mensch oder Umwelt ausgehen können. Man unterscheidet:
- Altablagerungen: stillgelegte Deponien, Verfüllungen, wilde Müllablagerungen.
- Altstandorte: Flächen ehemaliger Industrie oder Gewerbe (Tankstellen, Chemie, Galvanik), auf denen mit Schadstoffen umgegangen wurde.
- Verdachtsflächen: Flächen mit Anhaltspunkten, aber noch ohne abschließende Untersuchung.
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Wo Altlasten verzeichnet sind
Die Behörden führen ein Altlasten- bzw. Bodenschutzkataster (meist bei Kreis/Stadt oder Landesumweltamt). Vor einem Kauf solltest du dort Auskunft einholen. Auf flurcheck.de bekommst du bereits einen ersten Hinweis: Klicke das Grundstück an, und vorhandene Altlasten-Informationen werden – neben Hochwasser und weiteren Umweltrisiken – mit angezeigt. Grundlage bleibt die amtliche Auskunft. Lage und Bestand prüfst du über die Flurstücksdaten.
Baugrundgutachten oder Altlastenuntersuchung?
- Baugrundgutachten (Bodengutachten): untersucht die Tragfähigkeit – Bodenschichten, Grundwasserstand, Bodenklassen, Versickerung. Basis für Fundament und Gründung.
- Altlastenuntersuchung: prüft auf Schadstoffe im Boden. Wird bei Verdacht oder Altstandorten relevant.
Beides sind verschiedene Gutachten – bei Verdachtsflächen können beide nötig sein.
Haftung und Wert
Wichtig: Auch der neue Eigentümer kann als sogenannter Zustandsstörer für die Sanierung herangezogen werden – unabhängig davon, wer die Altlast verursacht hat. Eine Altlast oder ein schwieriger Baugrund wirkt deutlich wertmindernd und gehört in jede Grundstücksbewertung und Kaufpreisverhandlung. Verdachtsmomente vor dem Kauf unbedingt klären.
Was kostet welches Gutachten?
| Untersuchung | typische Kosten | Zweck |
|---|---|---|
| Baugrundgutachten (EFH) | 1.000 – 2.500 € | Tragfähigkeit, Gründungsempfehlung, Grundwasser |
| Historische Erkundung (Phase I) | 500 – 2.000 € | Akten- und Luftbildauswertung zur Vornutzung |
| Orientierende Untersuchung (Phase II) | 3.000 – 15.000 € | Boden-/Grundwasserproben bei konkretem Verdacht |
| Detailuntersuchung / Sanierungsplanung | projektabhängig, meist 5-stellig | Eingrenzung und Sanierungskonzept |
Gemessen an möglichen Sanierungskosten von 50.000 € bis weit in den sechsstelligen Bereich ist ein Gutachten vor dem Kauf eine günstige Versicherung.
Auskunft aus dem Altlastenkataster
Jedes Bundesland führt ein Altlastenkataster (auch Bodenschutz- oder Verdachtsflächenkataster), in dem bekannte Altlasten und altlastverdächtige Flächen registriert sind. Auskunft erteilt die untere Bodenschutzbehörde beim Landratsamt bzw. Umweltamt der Stadt – meist schriftlich, gegen geringe Gebühr (häufig kostenlos bis ca. 50 €) und mit berechtigtem Interesse, das du als Kaufinteressent mit Vollmacht des Eigentümers nachweist. Wichtig: Ein negativer Katastereintrag ist keine Garantie – erfasst ist nur, was den Behörden bekannt wurde.
Verdachtsmomente, die du ernst nehmen solltest
- Frühere Nutzung als Tankstelle, Kfz-Werkstatt, chemische Reinigung, Galvanik oder Gaswerk
- Auffüllungen und Aufschüttungen – oft mit Bauschutt oder Schlacke unbekannter Herkunft
- Alte Heizöltanks (auch unterirdisch stillgelegte)
- Lage in einem im Krieg bombardierten Gebiet → Kampfmittelvorabfrage beim Kampfmittelbeseitigungsdienst
- Gewerbliche oder militärische Vornutzung des Umfelds
Einen ersten Anhaltspunkt liefert der Altlasten-Layer auf der flurcheck-Karte: Er zeigt für viele Regionen bekannte Altlasten- und Verdachtsflächen im Umfeld des Flurstücks – kostenlos, als Ausgangspunkt für die verbindliche Behördenauskunft.
Altlasten im Kaufvertrag richtig regeln
Der Verkäufer muss ihm bekannte Altlasten offenbaren – verschweigt er sie arglistig, haftet er trotz des üblichen Gewährleistungsausschlusses. Als Käufer solltest du zusätzlich vertraglich vorsorgen: eine Zusicherung, dass dem Verkäufer keine Altlasten und keine behördlichen Anordnungen bekannt sind; bei konkretem Verdacht ein Rücktrittsrecht oder eine Kostenteilungs-/Freistellungsklausel für den Fall eines Fundes. Denn öffentlich-rechtlich gilt: Die Behörde kann nach § 4 BBodSchG auch den aktuellen Eigentümer zur Sanierung heranziehen – unabhängig davon, wer die Verunreinigung verursacht hat.
Hinweise und Orientierung, keine Rechts- oder Gutachterleistung. Verbindlich sind das Altlastenkataster der Behörde und fachliche Gutachten.