1. Lage & Grundstück
- Flurstück identifiziert? Grenzen, Fläche und Zuschnitt aus ALKIS prüfen.
- Lage im Ort: Infrastruktur, Anbindung, Nachbarschaft.
- Hanglage, Exposition? (flurcheck.de zeigt Hangneigung.)
- Noch kein Grundstück gefunden? In 15 Bundesländern (alle außer Bayern) zeigt der Baulücken-Indikator unbebaute Flurstücke in Wohnlagen.
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2. Bebaubarkeit
- Liegt ein Bebauungsplan vor? Welche GRZ/GFZ, Höhe, Nutzungsart?
- Kein B-Plan: gilt § 34 BauGB (Innenbereich) oder § 35 (Außenbereich)?
- Entwicklungszustand: Bauland, Rohbauland oder Bauerwartungsland?
3. Erschließung
- Vollständig erschlossen (Straße, Kanal, Wasser, Strom)? Mehr unter Erschließungskosten.
- Hinterliegendes Grundstück: gesicherte Zufahrt (Wegerecht)?
- Breitband/Glasfaser verfügbar? (auf flurcheck.de prüfbar.)
4. Grundbuch & Belastungen
- Abteilung II: Dienstbarkeiten, Wegerecht, Nießbrauch, Vorkaufsrechte?
- Abteilung III: offene Grundschulden, die gelöscht werden müssen?
- Baulastenverzeichnis der Gemeinde prüfen (nicht im Grundbuch!).
- Hat die Gemeinde ein Vorkaufsrecht?
5. Risiken & Umwelt
- Altlasten: Altlastenkataster bei der Gemeinde abfragen.
- Hochwasser: Überschwemmungsgebiet oder Hochwasserrisiko? (auf flurcheck.de prüfbar.)
- Radon, Lärm, Luftqualität: auf flurcheck.de prüfbar.
- Baugrundgutachten bei Verdacht auf schlechten Untergrund oder Hanglagen.
6. Kaufpreis & Nebenkosten
- Angemessener Preis? Bodenrichtwert und Bodenwert-Schätzung auf flurcheck.de.
- Grunderwerbsteuer: 3,5–6,5 % je Bundesland einplanen.
- Notar- und Grundbuchkosten: ca. 1–1,5 % des Kaufpreises (mit Grundschuld etwas mehr).
- Ggf. Maklerprovision.
7. Ablauf absichern
- Kaufvertragsentwurf rechtzeitig vorab vom Notar erhalten und prüfen.
- Finanzierung gesichert? Grundschuld geplant?
- Vollständigen Kaufablauf kennen.
Kaufnebenkosten: Rechenbeispiel
Die Nebenkosten werden beim Grundstückskauf oft unterschätzt – je nach Bundesland und Maklerbeteiligung kommen rund 5 bis 15 % auf den Kaufpreis obendrauf. Beispiel für ein Grundstück für 250.000 € in Nordrhein-Westfalen:
| Position | Satz | Betrag |
|---|---|---|
| Grunderwerbsteuer (NRW) | 6,5 % | 16.250 € |
| Notar & Grundbuch (mit Grundschuld) | ca. 1,5 % | ca. 3.700 € |
| Maklerprovision (Käufer zahlt allein – beim Grundstück häufig) | 7,14 % | 17.850 € |
| Summe Nebenkosten | ca. 15 % | ca. 37.800 € |
Beim Grundstück ist die Maklerprovision frei verhandelbar: Teilt ihr sie hälftig, sinkt die Summe auf rund 28.900 € (11,6 %); ohne Makler sind es rund 20.000 € (8,0 %). Details zu den einzelnen Posten findest du auf Grunderwerbsteuer und Notar- & Grundbuchkosten. Kommt ein unerschlossenes Grundstück dazu, können Erschließungskosten von mehreren zehntausend Euro hinzukommen.
Diese Unterlagen solltest du dir zeigen lassen
- Aktueller Grundbuchauszug (nicht älter als 3 Monate) – Eigentümer, Belastungen in Abteilung II und III.
- Auszug aus dem Baulastenverzeichnis – öffentlich-rechtliche Verpflichtungen, die nicht im Grundbuch stehen (Ausnahme Bayern, dort gibt es keine Baulasten). Siehe Baulast.
- Bebauungsplan oder Bauvoranfrage – was darf tatsächlich gebaut werden? Siehe Bebauungsplan & FNP.
- Erschließungsbescheinigung der Gemeinde – sind alle Beiträge bezahlt oder drohen Nachforderungen?
- Altlastenauskunft des Umweltamts bei gewerblicher Vornutzung – siehe Altlasten & Bodengutachten.
- Liegenschaftskarte / Flurkarte – amtliche Grenzen und Flurstücksnummer, direkt abrufbar über die flurcheck-Karte.
Rote Flaggen: Wann du genauer hinschauen solltest
- Preis deutlich unter dem Bodenrichtwert: Fast immer gibt es einen Grund – Lärm, Zuschnitt, Altlasten, fehlendes Baurecht.
- „Bauerwartungsland" wird wie Bauland beworben: Ohne Bebauungsplan oder §-34-Lage kaufst du möglicherweise ein Grundstück, auf dem du jahrzehntelang nicht bauen darfst.
- Wege- oder Leitungsrechte in Abteilung II: Sie schränken die Bebaubarkeit ein und mindern den Wert.
- „Erschließungsbeiträge übernimmt der Käufer": Diese Klausel kann fünfstellige Nachzahlungen bedeuten.
- Hanglage oder feuchte Senke ohne Baugrundgutachten: Gründungsmehrkosten können 20.000–100.000 € erreichen.
- Druck zum schnellen Notartermin: Seriöse Verkäufer geben dir Zeit für Grundbuch-, Baulasten- und Altlastenprüfung.
Risiken digital vorprüfen
Viele Punkte der Checkliste kannst du in wenigen Minuten selbst prüfen, bevor du Geld für Gutachten ausgibst: Auf der flurcheck-Karte siehst du für jedes Flurstück in Deutschland die amtliche Flurstücksnummer samt Fläche, den Bodenrichtwert sowie Datenlayer zu Hochwasserrisiko, Lärmbelastung, Radon, Hangneigung, Solarpotenzial und Breitbandversorgung – kostenlos und ohne Anmeldung.
Checkliste zur Orientierung, keine Rechts- oder Steuerberatung. Für verbindliche Prüfungen Notar, Fachanwalt und Behörden hinzuziehen.